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NOVA Titelgeschichte 2/2011
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Schlaf und Schmerz
Die zerstörte Nacht
Wer an chronischen Schmerzen leidet, gerät häufig in einen Teufelskreis aus Schmerz, gestörtem Schlaf und noch größerer Schmerzempfindlichkeit. Viel zu lange haben Ärzte dieses Problem ignoriert. Nun zeichnet sich eine neue Therapie ab, die Erkenntnisse aus Neurobiologie, Schmerzmedizin und Verhaltensforschung kombiniert.
Prinzipiell sind sie sich schon einig, die Betroffenen und die Experten: Chronischer Schmerz bedroht erholsamen Schlaf. Geht es jedoch um nachhaltig wirksame Hilfe für Menschen, denen der Schmerz die Nachtruhe zerhackt, bleiben die Patienten in der Regel auf sich allein gestellt.
»Wenn es besonders schlimm ist«, berichtet Rita Aßfalg, Schmerzliga-Selbsthilfegruppenleiterin aus dem oberschwäbischen Weingarten, »stehe ich meistens auf und beschäftige mich mit den unterschiedlichsten Dingen.« Ihre Kollegin und Leidensgenossin Renate Puch aus Trier kann oft nicht wieder einschlafen, wenn sie der Schmerz aus dem Schlaf gerissen hat: »Ich beginne dann in Gedanken ein Gebet aufzusagen, von dem ich immer wieder einen Teil vergesse, so lange, bis ich es vollständig habe« (mehr Tipps von Schmerzliga-Mitgliedern siehe Seite 10/11).
Arbeiten oder beten? Diese selbst gewählten
Nothilfen erscheinen doch ziemlich
unbefriedigend angesichts der Tatsache, dass
Schlaf ein elementarer Teil des Lebens ist und
chronische Schmerzen Millionen von Menschen
plagen.
»Der Teufelskreis aus Schmerzen und gestörtem
Schlaf«, wissen Fachleute wie Dr. Johannes
Horlemann vom Schmerzzentrum Niederrhein in
Kevelaer, führt »zu einer niedrigeren
Schmerzschwelle; die verstärkte
Schmerzempfindlichkeit beeinträchtigt ihrerseits
die Schlafqualität und damit die Tagesfrische
noch weiter.«
Mit ähnlichen Worten beschreibt eine irische
Forschergruppe um Gráinne Kelly vom University
College Dublin das Problem: »Schmerz führt zu
Schlafproblemen, die wiederum den Schmerz
verstärken; in ähnlicher Weise führen
Schlafprobleme zu Schmerzen, welche wiederum die
Schlafprobleme verstärken.«
Kellys Team schildert nicht nur den Teufelskreis. Es thematisiert in seinem Übersichtsartikel »Die Beziehung zwischen chronischen Rückenschmerzen und Schlaf« vom Februar 2011 im Fachblatt Clinical Journal of Pain auch das Elend der einschlägigen medizinischen Forschung: Diese hat sich bisher um das tagtäglich und millionenfach erlittene Problem offensichtlich nur unzureichend gekümmert.
So konnte Kellys Gruppe in internationalen medizinischen Datenbanken aus insgesamt 1746 zitierten Arbeiten ganze 17 Studien zum Thema Rückenschmerzen und Schlaf herausfischen, die den quantitativen und qualitativen Mindestanforderungen entsprachen. Und davon wiederum erfüllte nur eine einzige den »Goldstandard« der Schlafforschung, die objektive Aufzeichnung des Schlafverlaufs der Patienten mittels Polysomnografie – eine Studie aus dem Jahr 1988.
Dabei sind die neurobiologischen Vorgänge im Gehirn, die dem Teufelskreis »chronischer Schmerz – gestörter Schlaf – erhöhte Schmerzempfindlichkeit« zugrunde liegen, im Prinzip seit Jahren ebenso bekannt wie das schiere Ausmaß des Problems. Bekannt ist auch, dass nicht oder nur unzureichend behandelte Schmerzpatienten Gefahr laufen, in Depression zu verfallen. Mittelfristig, warnt Johannes Horlemann in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift, drohen sogar »irreversible Persönlichkeitsstörungen«.
Woran es mangelt, ist die
Umsetzung der neurobiologischen Erkenntnisse in
wirksame und vor allem alltagstaugliche
Therapien. So unterschätzen viele Ärzte die
gravierenden Folgen des Teufelskreises noch
immer. Und so werden die Schlafstörungen
chronischer Schmerzpatienten allzu häufig
unzureichend oder gar nicht behandelt.
Schon jene Goldstandard-Studie aus dem Jahr 1988
brachte einen gravierenden Unterschied im
Schlafmuster von gesunden Erwachsenen und
Patienten mit chronischen Rückenschmerzen an den
Tag: Letztere verbringen vier- bis fünfmal
weniger Zeit im Tiefschlaf, der als besonders
wichtig für die Erholung allgemein und für die
Gedächtnisbildung im Besonderen gilt. Dieses
verschobene Muster wurde auch bei Fibromyalgie-Patienten
gemessen.
Seit Jahren belegen Studien zudem, dass Menschen
mit chronischen Schmerzen wesentlich häufiger an
»nicht erholsamem Schlaf« leiden, wie
Schlafmediziner das Problem definieren. »Nicht
erholsamer Schlaf«, heißt es in der 2009
veröffentlichten »S3-Leitlinie« der Deutschen
Gesellschaft für Schlafforschung und
Schlafmedizin, »kann zu Beeinträchtigungen der
Gesundheit sowie der sozialen und der
beruflichen Leistungsfähigkeit führen.«
»60 Prozent der Patienten mit Rückenschmerz
leiden an Schlafstörungen»
Zum Vergleich: Unter »häufigen Schlafstörungen« – ein Hinweis auf ernste Probleme – leiden laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Apotheken Umschau im Jahr 2010 gut 15 Prozent aller Befragten. Bei Schichtarbeitern nennt die S3-Leitlinie eine Häufigkeit (»Prävalenz«) der Schlafstörungen zwischen 29 und 38 Prozent. Bei Patienten mit chronischen Rü-ckenschmerzen liegt die Prävalenz bei knapp 60 Prozent, wie eine australische Forschergruppe im Fachblatt European Spine Journal vom Mai 2011 nach Auswertung von 13 Studien mit 1941 Patienten berichtet. Insgesamt, so Schmerztherapeut Johannes Horlemann, leidet »etwa die Hälfte der Patienten mit chronischen Schmerzen unter Schlafstörungen«.
Trotz dieser geballten Häufigkeit erwähnen die Leitlinien der deutschen Schlafmediziner das »chronische Schmerzsyndrom« als Ursache der nächtlichen Störungen nur ein einziges mal auf 157 Seiten. Nicht viel häufiger kommt »chronic pain« in den Empfehlungen der amerikanischen Akademie für Schlafmedizin vor. Offensichtlich liegt zwischen Schlaf- und Schmerzmedizin ein Graben von der Breite des Atlantiks.
Auf einem Mangel an grundlegendem Wissen über die wechselseitige Beeinflussung von Schmerz und Schlaf können die dürren schlafmedizinischen Empfehlungen nicht zurückgehen. »Wir wissen heute«, erklärten Johannes Horlemann und der Münchener Hirnforscher Walter Zieglgänsberger schon im Juli 2009 in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift, dass »Menschen, die wegen ihrer Schmerzen dauerhaft schlecht schlafen, weil sie falsch oder unzureichend therapiert werden, kognitive Einbußen erleiden und hinter ihren intellektuellen Möglichkeiten zurückbleiben«.
Zieglgänsberger, der am Max-Planck-Institut
für Psychiatrie in München forscht, prägte vor
zwei Jahrzehnten den Begriff
»Schmerzgedächtnis«: Wird akuter Schmerz sofort
ausreichend unterbunden, kann er auch keine
Gedächtnisspur im Gehirn und Rückenmark
hinterlassen; bleibt der Schmerz jedoch
bestehen, »lernt« das zentrale Nervensystem den
Schmerz und reagiert selbst auf andere Reize mit
Schmerzsignalen – der Schmerz wird chronisch.
»Aufgrund seiner enormen Plastizität«, erklärt
Zieglgänsberger, »kann das Nervensystem jedoch
prinzipiell auch wieder vergessen, was es einmal
gelernt hat.« Schmerztherapeuten nutzen
inzwischen dieses »neu Lernen«, im Fachjargon
»Re-Learning« genannt, um ihre Patienten in
einer individuell zugeschnittenen, viel Geduld
erfordernden Therapie so weit wie möglich aus
den chronischen Schmerzen herauszulotsen. Dabei
verschwindet das alte Repertoire allmählich,
indem es durch neue Gedächtnisinhalte überlagert
wird. »Der Patient lernt neu«, so Horlemann und
Zieglgänsberger, »dass er das, was ihm vorher
Schmerzen bereitet hat, nun wieder schmerzarm
oder -frei verrichten kann. Diese frohe
Botschaft setzt sich an die Stelle des alten
Schmerzgedächtnisses.«
Ausgerechnet diesen Weg verschütten schwere
Schlafstörungen, wenn den Betroffenen nicht
zügig geholfen wird. Denn Schlafentzug kann die
Lernfähigkeit extrem beeinträchtigen, da unser
Gehirn den nächtlichen Tiefschlaf nutzt, um
Erlebtes und Erlerntes dauerhaft zu speichern.
Chronische Schmerzen, Schlafentzug sowie
Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine,
so Horlemann und Zieglgänsberger, »wirken auf
das Gehirn als Stressoren, die zu kognitiven
Einbußen und Störungen der Lernfähigkeit führen.
Für den Therapieerfolg ist Lernfähigkeit aber
eine wesentliche Voraussetzung.«
Eine adäquate Behandlung der Schlafstörung ist daher grundlegend für neue Therapiekonzepte der Schmerzmedizin. Oberstes Ziel dieser Ansätze ist es, den Teufelskreis aus Schmerz und Schlafstörungen zu durchbrechen.
Der Erfolg einer solchen »pharmakologisch gestützten Verhaltenstherapie mit Re-Learning« erfordert von den Patienten jedoch viel Geduld, Vertrauen und die Bereitschaft zur Mitarbeit. Die Therapeuten wiederum müssen auf die individuellen Probleme und Fähigkeiten der Betroffenen eingehen, von denen viele nach langer Leidensgeschichte auch Angststörungen und Depressionen entwickelt haben – die beide wiederum häufig Einschlaf-störungen sowie andere Schlafprobleme verursachen. »Nicht alle Schlafstörungen bei chronischen Schmerzpatienten«, weiß Johannes Horlemann, »müssen schmerzbedingt sein.« Andere körperliche Probleme, etwa Bluthochdruck, Schwitzen oder Harndrang sowie Sorgen und Ängste können ebenfalls den erholsamen Schlaf verhindern. Darum müssen auch solche Ursachen analysiert und bei der Therapie berücksichtigt werden.
Erstes Ziel der Ärzte ist, ihre Patienten während einer Rehabilitation für die ersten zehn bis 15 Tage möglichst schmerz-arm zu machen, damit diese die Nacht nicht als Folter erleben und am nächsten Tag zerschlagen und tagesmüde sind. Dabei spielen Opioide, die ihre Wirkung verzögert (»retardiert») und gleichmäßig ausüben, eine zentrale Rolle.
Schmerzen müssen ausreichend und konsequent behandelt werden, die Medikamentenauswahl muss stimmen. Patienten brauchen einen Schmerzschutz rund um die Uhr an Stelle einer »Bedarfsmedikation«. Unterbleibt dies, ist es nicht verwunderlich, dass die Pein das Einschlafen verzögert oder eine nachlassende Arzneiwirkung in der Nacht dazu führt, dass der wiederkehrende Schmerz die Patienten aufweckt.
Darüber hinaus kann es
sinnvoll sein, Schmerzmittel mit anderen
Medikamenten zu kombinieren, welche die
Schmerzen durch andere Mechanismen beeinflussen
und ebenfalls den Schlaf fördern. Dazu gehören
etwa Antidepressiva, krampflösende Mittel (Antikonvulsiva)
oder Substanzen wie Pregabalin, Gabapentin und
Flupirtin.
Doch Medikamente sind nur ein Baustein der
Therapie. Idealerweise kümmert sich ein Team aus
Schmerz- und Physiotherapeuten zusammen mit
Psychologen intensiv um die Patienten, damit
diese wieder lernen, so Horlemann und
Zieglgänsberger, »sich von A nach B zu bewegen«.
Denn »das Wiedererlangen der Selbstwirksamkeit
ist ein wesentlicher Bestandteil des
Therapiekonzepts«. Wer darüber hinaus die
Schlaflosigkeit nicht mehr fürchten muss, kommt
zur Ruhe.
Wenn die Patienten in dieser therapeutischen Lernphase erfahren, dass die von ihnen befürchteten Schmerzen und Schlafstörungen ganz oder weitgehend ausbleiben, beginnt ihr Gehirn die eingeschliffene Erwartungshaltung zu korrigieren: Das Re-Learning setzt ein – und die Betroffenen erfahren mit diesen positiven neuen Erfahrungen mehr Sicherheit. Diese brauchen sie auch dringend auf dem langen Weg aus dem Teufelskreis des zerstörten Schlafs. Günter Haaf
»Man muss verhindern, in Panik zu geraten«
Marion Cleve ist Leiterin der Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe in Jever. Seit rund 45 Jahren leidet sie unter Kopfschmerzen und Migräne. Vor etwa 30 Jahren kamen Schlafstörungen dazu – und dann im Jahr 2000 die Diagnose Fibromyalgie. Inzwischen hat sie gelernt, mit diesen Beeinträchtigungen umzugehen. Hanna Haberl hat mit ihr gesprochen.
Seit wann und wie häufig leiden Sie
unter Schlaflosigkeit?
Meine Schlafprobleme begannen mit Mitte 30.
Anfangs hatte ich mehrmals im Monat
Durchschlafprobleme, inzwischen sind es
höchstens zwei Nächte pro Woche, in denen ich
überhaupt ein paar Stunden am Stück schlafen
kann. In den restlichen Nächten wache ich nach
zirka zwei Stunden wieder auf und kann nicht
mehr einschlafen oder schlafe erst in den frühen
Morgenstunden ein.
Wie erleben Sie die Schlaflosigkeit?
Tagsüber merke ich, wenn ein Schmerzschub kommt.
Mir wird kalt und ich werde sehr müde. Dann kann
ich mich auf die bevorstehende Attacke
vorbereiten. Nachts, wenn ich es geschafft habe
einzuschlafen, kommt der Schmerz völlig
unvorbereitet und trifft mich umso härter. Dann
ist es unmöglich, wieder einzuschlafen. Am
nächsten Tag fühle ich mich wie gerädert,
einfach kraftlos.
Wie gehen Sie mit Ihrer Erkrankung
und der Schlaflosigkeit um?
Man muss selbst Verantwortung für sich
übernehmen. Sich gehen lassen und selbst
bemitleiden bringt niemanden weiter. Es ist
wichtig, sich selbst zu helfen und nicht auf die
Hilfe anderer zu warten. Früher bin ich oft
tagelang auf dem Sofa gelegen und habe mich
durch die starken Schmerzen immer mehr
verkrampft. Irgendwann fällt man dann aber in
ein Loch, aus dem man nur schwer wieder heraus
kommt. Heute habe ich meine Krankheit
akzeptiert. Ich versuche mich abzulenken,
telefoniere mit einer Freundin oder gehe, wenn
möglich, unter Leute oder tue mir einfach etwas
Gutes.
Was tun Sie, wenn Sie nicht schlafen
können?
Gegen die Schlaflosigkeit ist Ablenkung auch
sehr wichtig. Man muss verhindern, in Panik zu
geraten. Ich rede mir selbst gut zu,
konzentriere mich zum Beispiel auf meinen Atem
oder mache Entspannungsübungen. Ich sage mir,
morgen ist ein neuer Tag, ein guter Tag. Ich
habe in den vielen Jahren meiner Krankheit
gelernt, quälende Gedanken vor allem nachts
nicht zuzulassen. Es ist wichtig »STOPP« zu
sagen, sich auch daran zu halten und Probleme,
wenn es unbedingt sein muss, erst am Tag zu
lösen.
Wer lernen will, muss ausgeschlafen sein
Wer schlecht schläft, lernt schlecht. Wer sein Schmerzgedächtnis überschreiben und Neues lernen will, braucht seinen Schlaf – damit er für das »Re-Learning« hellwach ist. Professor Walter Ziegelgänsberger hat dafür Tipps parat.
Wenn Sie unter Schlafstörungen leiden, sollten Sie Eines nicht tun: am Tag schlafen. Schmerzmittel machen müde, vor allem in höherer Dosierung. Die Folge: Sie sitzen mehr, Sie legen sich hin – und dann schlafen Sie fast zwangsläufig ein. Wenn Sie aber tagsüber schlafen, sind Probleme am Abend und in der Nacht programmiert. Ihre Medikamente müssen Sie natürlich nehmen. Aber sie sollten aktiv bleiben, auch wenn Sie müde werden. Sie müssen nicht joggen, aber nutzen Sie die Schmerzlinderung durch die Medikamente dazu, wieder Dinge zu tun, die Ihnen Freude bereiten und die <Sie vielleicht vorher nicht tun konnten. Ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft, eine Runde durch den Garten, ein Besuch bei der Nachbarin auf einen kleinen Schwatz – das ist immer drin. Alles, was Sie aktiv und wach hält, ist gut und fördert das »Re-Learning«, also das Überschreiben Ihres Schmerzgedächtnisses.
Am Abend gilt es dann, langsam den Tag
ausklingen zu lassen und zur Ruhe zu kommen.
Wichtig: Alkohol ist kein Schlafmittel, sondern
beeinträchtigt die Schlafstruktur.
Wenn Sie nachts aufwachen, ist dies zunächst
kein Grund zur Panik. Sie sollten aber nicht im
Dunkeln liegen und die Augen zupressen. Das
macht es nur schlimmer. Machen Sie Licht, lesen
Sie, stehen Sie auf – und halten Sie die Augen
offen. Stellen Sie sich vor, dass das
Sandmännchen so die Chance hat, Ihnen seinen
Sand hinein zu streuen – ein nettes Fantasiebild
für einen physiologischen Vorgang. Schlafen Sie
gut!
Hören Sie mehr von Prof. Zieglgänsberger zum
Thema
Prof_Zieglgaensberger.mp3
Tipps zum Einschlafen von Schmerz-Patienten
- Mir hilft es, über die Probleme, die mich beschäftigen, nicht im Bett nachzudenken. Den Problemen räume ich nur eine bestimmte Zeit ein, etwa am frühen Abend oder am nächsten Morgen. Man darf in der Nacht nicht ins Grübeln kommen. Neben meinem Bett habe ich immer Schreibzeug für wichtige Notizen, die ich nicht vergessen darf. Dadurch kann ich beruhigt an Schönes denken, ohne das Gefühl zu haben, wichtige Dinge zu vergessen. Manchmal gehe ich auch auf Fantasiereisen. In Gedanken reise ich dann nach Tobago, meine Lieblings-Urlaubsinsel. Tagsüber bewege ich mich viel an der frischen Luft und versuche längere Schlafphasen zu vermeiden, somit fällt mir das Einschlafen am Abend leichter. Heike N., Neumünster
- Ich bespreche meine
Schlafstörungen regelmäßig mit
meinem Neurologen. Er
unterstützt mich, indem er die
Medikation schwerpunktmäßig auf
die Abendstunden verlegt. Da ich
sehr wärmeempfindlich bin, habe
ich immer Gefrierbeutel im
Kühlfach – diese helfen zwar nur
eine begrenzte Zeit, aber
zumindest kann ich wieder für
eine kurze Zeit ein- oder
weiterschlafen. Wenn es
besonders schlimm ist,
beschäftige ich mich mit den
unterschiedlichsten Dingen wie
Arbeiten am PC, Backen oder
Kochen. Auch zwei bis drei
Stückchen Schokolade helfen mir
oftmals. In den Jahren habe ich
auch gemerkt, was mir schadet.
Wenn ich mich an einem Tag
körperlich zu sehr übernehme,
wirkt sich das bis zu vier
Nächten aus. Mein Tipp: Bei
neuropathischen Schmerzen
körperliche Überbelastung
unbedingt vermeiden.
Rita A., Aulendorf - Meistens wache ich
zwischen drei und sechs Uhr auf.
Dann mache ich Yoga-Übungen und
Meditationen, anschließend
frühstücke ich. Danach ist es in
der Regel wieder möglich
einzuschlafen.
Dietrich K., Bremen - Als ich noch sehr
häufig unter Schlafstörungen
litt, habe ich mir nachts
Kräutertee gekocht und oft ganze
Nächte lesend mit unserem Hund
oder unserer Katze auf dem Schoß
verbracht. Ich habe in dieser
Zeit gemerkt, wie wichtig es
ist, jeden Tag voraus zu planen
und jedem Tag einen Sinn zu
geben. Das hilft dabei, am Abend
ein gutes Gefühl zu haben und zu
wissen, dass man trotz der
Krankheit etwas geschafft hat,
Selbstwert aufzubauen und sich
wieder zu akzeptieren und zu
lieben. Aber am wichtigsten ist
es, sich auf das Schlafen
vorzubereiten. Das heißt für
mich: Ab 18 Uhr kein Kaffee oder
Tee mit Teein, ab 22 Uhr
Fernseher aus, oder zumindest
alles vermeiden, was meine
Gefühlswelt in Wallung bringt.
Ich lasse den Tag mit meiner
Frau Revue passieren, bereite
den nächsten Tag vor, schmuse
mit den Tieren und freue mich
vor allem auf den neuen Tag.
Rolf F., Hamminkeln-Mehrhoog - Wenn mir der Schmerz
den Schlaf raubt, wende ich
häufig Atemübungen an. Dabei
atme ich tief ein und stelle mir
vor, wie die Luft von meinem
Mund durch den ganzen Körper
direkt dorthin strömt, wo der
Schmerz sitzt. Danach atme ich
wieder tief aus. Auch Übungen
zur progressiven
Muskelentspannung helfen mir
häufig.
Norbert M., Isernhagen - Um besser einschlafen
zu können, nehme ich vor dem zu
Bett gehen noch ein heißes Bad.
Wenn ich trotzdem nicht schlafen
kann, spiele ich nachts mit
meinen beiden Katzen oder gehe
draußen spazieren.
Alexandra S., Horneburg - Ich versuche mich
möglichst gut abzulenken, da
kommt es schon mal vor, dass ich
anfange zu bügeln.
Claudia H., Stade - Ich versuche an schöne
Dinge zu denken und die
schlechten Gedanken zu
verdrängen. Zusätzlich mache ich
Entspannungsübungen nach
Jacobsen. Wenn das nichts hilft,
höre ich im Bett mit meinem
Discman Hörbücher, am liebsten
»die Päpstin«.
Bettina R., Berlin
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